Kritisches zur Thai-Sprache

Allgemeine Themen, die sich nicht in die Fachbereiche einordnen lassen.

Kritisches zur Thai-Sprache

Beitragvon thpitsch » 09.08.2007, 10:37

Mir ist ein Text zugegangen, der von einem mir unbekannten Autor in einem Forum gepostet worden ist. Da er sich kritisch mit der thailändischen Sprache auseinandersetzt, möchte ich ihn hier ungekürzt und unkommentiert zur Diskussion stellen:

Sprache gehört sicherlich zu einer Kultur, denn sie ist ein essentiell wichtiges und notwendiges Austausch- und Verständigungsmittel im Prozeß der Kommunikation und spiegelt erlernte Kommunikations- und Verhaltensweisen innerhalb einer Gesellschaft wider. In der Weise wie wir uns präzise ausdrücken, Dinge benennen und Sachverhalte beschreiben können, in der Weise gelingt uns ein besseres Verstandenwerden mit unseren Mitmenschen und damit ist Sprache auch ein Mittel zur Erleichterung des Zusammenlebens mit anderen, zur Verbesserung von Problemlösungen und letztlich sogar zur Verhinderung von Konflikten. Man könnte auch sagen: je besser wir uns ausdrücken können, umso weniger gehen wir mit Stöcken und Keulen aufeinander los. Dies setzt natürlich voraus, dass wir gelernt haben, mit Sprache umzugehen und dass wir geistig dazu in der Lage sind, Vorgänge zu durchdenken, und sie anschließend auch mitteilbar und verstehbar zu machen.

Was die deutsche Sprache anbelangt, so bin ich der Auffassung, dass wir ein großartiges und erstklassiges Ausdrucksmittel an der Hand haben, das seinesgleichen in der Welt suchen kann. In dieser unserer Sprache können wir uns so fein abgegrenzt und unterschieden ausdrücken wie es das selten in einer anderen Sprache gibt, wobei – wenn ich von “können“
spreche - es erstmal nur um das reine Vorhandensein der Möglichkeit geht, hinzu kommt natürlich, dass man es auch können sollte, können dann in der Wortbedeutung von beherrschen, was aber voraussetzt, dass man es erlernt haben muß. (So, und nun möchte ich diesen Satz mal in Thai hören.)

In unserer deutschen Sprache haben wir viele Wörter, die von der Gattung her ähnlich klingen, aber jeweils im Hintersinn ganz feine Unterscheidungen und Abstufungen zutage bringen. Wir können “empfindlich“ oder “empfindsam“ sein. Sind wir “verletzt“ oder “verletztlich“? Ist etwas “unsagbar“ oder “unsäglich“? Liegt einer “reglos“ oder “regungslos“? Handelt einer “überlegt“ oder “überlegen“? Und was ist mit “Verständigung“, “Verstehbarkeit“, “Verstandenwerden“ und “Verstandensein“?
Eine verwirrende Vielfalt dieser herrlichen netten Besonderheiten zwischen den Wörtern! Das bietet die Thaisprache nicht.

Wir können “liebeskrank“, “liebeshungrig“, “liebesdurstig“, “liebestoll“, “liebeverlangend“, “liebebegehrend“ usw. sein. Durch Wortzusammensetzungen können wir die Wortbedeutungen verändern und den Ausdruck der Sprache reicher machen.

Nachdem ich Thai gelernt habe, muß ich sagen, dass ich selten eine solch rudimentäre Ausdrucksweise kennengelernt habe, eine Sprache voller dürftiger Inhalte, verkümmerter Wortstümpfe und verschrumpeltem Wortschatz, und ich muß gestehen, dass es mich immer wieder erstaunt wie die Thais damit klarkommen. Zwar beherrsche ich die Thaischrift nicht, womit mir vielleicht zugestandenermaßen die Feinheiten der Sprache verloren gehen. Aber wenn ich die tägliche Praxis und Anwendung der Sprache beobachte und mitverfolge, dann kann ich mich immer wieder nur wundern wie es den Thais gelingt, sich mit einem solch schlechten sprachlichen Werkzeug ausreichend verständlich zu machen. Mitunter ist die Ausdrucksweise derart bruchstückartig und oberflächlich, dass durch begleitende Handlungen und fein abgestufte Anreden klar gemacht werden muß, was und wer gemeint ist.

Man stellt einen Teller mit Knabberkram auf den Tisch und sagt “gin len“ (essen spielen). Ein hingeworfener Sprachbrocken, wozu wir im Deutschen mindestens mal einen kompletten Hauptsatz benötigen würden.

Steigen die Temperaturen über 30 Grad, dann würden wir vielleicht sagen: “Es ist aber heiß heute“, auf thai genügt ein einfaches “roan“.

Frage ich unseren 12jährigen Hausflegel - bereits ein stinkendfauler Vollblutthai, der außer “gin kao“, “noan lap“ und “len game“ keine weiteren Fertigkeiten beherrscht -, ob er mit mir ein wenig mit dem Rad hinausfahren möchte, dann deutet er nur schwach gegen den Himmel und sagt “fon tok“, aber in einem solch entrüsteten Ton knapp an der Grenze zur Empörung. Klar, reicht das als Erklärung aus, aber was offenbart es doch für ein minderwertiges sprachliches Unvermögen! Was ist es für eine armselige und kümmerliche Art von Verständigung, unkultiviert und unmanierlich, und sie wird nicht besser, wenn man noch ein geschmeidiges “khrap“ schnell hinterherwirft, was unser Hausthai aber niemals tut. Der hat inzwischen sein Rad verschenkt, die beißenden Kommentare seiner Kumpane werden das Ihre dazu getan haben.

Ich habe noch den Satz meiner Lehrer im Ohr, die uns dazu aufforderten: “Antworte im ganzen Satz!“ Das konnte ich damals überhaupt nicht verstehen, aber heute weiß ich wie wichtig es ist. Wir wurden gerügt dafür, wenn wir dem Lehrer einzelne Wortknochen vor die Füße warfen. Es galt als besonders unhöflich.

Trotz allem habe ich den Eindruck, dass die Thais mit ihrer Sprache gut zurechtkommen. Sie benutzen sie jedoch sehr einseitig, hauptsächlich in Form von Mitteilungen an ihre Mitmenschen. In meinem direkten Umfeld kann ich nicht erkennen, dass sie ihre Sprache als Mittel zur gedanklichen Auseinandersetzung von Inhalten benutzen. (Aber dies ist vielleicht wieder ein anderes thaitypisches Thema.)

Witzig finde ich viele thailändischen Wortzusammenfügungen: “naam kaeng“ = Wasser hart (Eis) “tung tao“ = Tüte Fuß (Strumpf) “thaang naam lai“ = Weg Wasser fließen (Flusslauf) “lot fai fah“ = Wagen Feuer Himmel (Zug, Eisenbahn) “krueang mue“ = Gerät Hand(Werkzeug) “krueang bin“ = Gerät fliegen (Flugzeug) “nangsue döön thaang“ = Buch gehen Weg (Reisepaß) “thoong sia“ = Bauch kaputt (Durchfall)

Diese Sprache besteht strenggenommen aus einem einzigen unterschiedslosen Zusammengestoppel von Wortbrocken, was sich ja auch schon in der Schrift zeigt, wo ohne jede Pause alles hinter einander weg geschrieben wird. Es gibt keine Interpunktion, kein Punkt, kein Komma und kein Strich. Es gibt keine Einzelwörter, es gibt bestenfalls nur
Absätze im Wortsalat.

Die Grammatik kommt mir wie ein einziges zusammengebombtes Schlachtfeld vor, aus dem nur kahle Gerippe herausragen. Es gibt keine Mehrzahl, es gibt keine Deklination von Verben, keine Beugungen von Hauptwörtern und es gibt nur drei einfache Zeiten. Im täglichen Umgang werden die Personalpronomen weggelassen und es gibt kein klares “nein“ und kein “ja“.

Der sprachliche Austausch ist ein einziges Desaster, voller Sprachtrümmer, Abkürzungen, Unterschlagungen und Wortwiederholungen: “Pai gin khao?“ Antwort: “pai“. (“Gehen essen Reis?“ Antwort “gehen“.) “Hiu mai?“ Antwort “hiu“. (“Hunger haben?“ Antwort “Hunger“.) “Phet mai?“ Antwort “mai phet“ (“scharf?“ Antwort “nicht scharf“) “Khammoi dai mai?“ Antwort “mai dai“. (“klauen dürfen?“ Antwort “nicht dürfen“). “Pai talad mai?“ Antwort “Mai pai“. (“Gehen Markt“ Antwort “nicht gehen“)

Wenn wir mal von den fünf verschiedenen Tonhöhen absehen, deren einwandfreie Beherrschung dem Ausländer schwerfällt, so ist die Thaisprache in ihrer Einfachheit bewundernswert und unschlagbar in ihrer Schlichtheit. Alles, was sich bewegt und Räder hat, ist ein “lot“, alles, was sich bewegt und Beine hat, ist entweder ein “khon“ oder ein “dua“, nur Mönche heißen “phra“.
Unübersehbar und mannigfach sind die vielen Wortbildungen mit “djai“ (Herz), mit denen Gefühlsregungen und Empfindungen im Zusammenleben ausgedrückt werden:
“djai dii“ = Herz gut (freundlich)
“djai roan“ = Herz heiß (aufgeregt, begeistert)
“noi djai“ = klein Herz (betroffen, verletzt)
“greeng djai“ = fürchten Herz (wohlerzogen, unaufdringlich)
“khao djai“ = hineinbewegen Herz (verstehen)
“son djai“ = aufmerksam Herz (interessiert sein)


Der Ausdruck in der Sprache spiegelt den Geist dahinter. Je einfacher die Ausdrucksweise, umso eher kann man darauf schließen, dass es dem Benutzer schwerfällt, komplizierte Gedankenzusammenhänge zu bewältigen, geschweige denn sie auszudrücken. Und schon sind wir mitten im Thaileben. Haben wir den Eindruck, wenn wir Thais in ihrem täglichen Lebensalltag beobachten, dass wir es mit genialen Verstandesmenschen zu tun haben, klug, gescheit und geistreich, scharfsinnig und weitsichtig,
logisch denkend und vernunftgeleitet?

Nun gut, solche Attribute treffen wir in gewissen Sozialbrachen in Deutschland (auf Soziologenneudeutsch “Prekariat“) vielleicht auch nicht an, deswegen wollen wir nicht hochmütig daherreden, dennoch wird klar, dass zwischen Bildung, Arbeitsleben und Sprache ein sehr enger und bedeutsamer Zusammenhang besteht, und dass Sprache mehr ist als das bloße Mitteilen von Absichten oder Befindlichkeiten. Sprache ist ein Spiegel der Geisteshaltung, Sprache wird vom Denken geprägt, ist Vermittlung von Gedankeninhalten und damit unmittelbarer Ausdruck des
Geistes.

Vielleicht übertreiben wir es im Deutschen auch mit der Genauigkeit des sprachlichen Ausdrucks, wobei uns Deutschen nachfolgende Sätze nicht unbedingt kompliziert vorkommen, was aber daran liegt, dass wir sie von ihrer Art und vom Gebrauch her kennen. Doch einen Thai habe ich noch nie solche wie die folgenden Sätze sagen hören:

“Wenn ich nach Bangkok gefahren wäre, wäre ich vielleicht im Regen naß geworden.

Wenn ich nicht an den Strand gegangen wäre, hätte ich mich niemals fragen können, ob es mir heiß geworden wäre.

Würde ich damals Geld gehabt haben, wäre ich nicht besoffen gewesen, was mir gut getan hätte.

Wenn der Bus nicht gekommen wäre, säße ich noch heute dort, wo ich schon seit gestern gesessen habe.

Hätte mir Noi nicht ihre Jacke gegeben, wäre ich nicht davon überzeugt gewesen, dass sie auch ein frisches Leibchen angehabt hätte.“


Ich persönlich bin froh, dass ich die deutsche Sprache erlernt habe und ich schätze ihren Gebrauch. Sie bereichert mein Leben. In der Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten zwingt sie mich zum korrekten Benutzen, was nicht immer leicht ist. Sie unterstützt mich in der Darlegung von Sachverhalten und Problemweisen und sie hilft mir soziale Verbindungen zu unterhalten, die mein Leben bereichern und das meiner Gesprächspartner hoffentlich auch. In diesem Sinne bin ich dankbar dafür.
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Beitragvon changlek » 09.08.2007, 20:00

.....auch wenn vieles durch die Zerstörungen von Sukhothai und Ayutthaya - da oft nur Handschriften auf Reispapier, Palmblättern etc - verloren gegangen ist, kann man die thailändische Sprache nicht so einfach sehen. Bei Unterhaltungen mit der Familie und/oder Freunden in Thailand kommt da schon mehr heraus als als die von dem hier unbekannten Autor geschilderten Wortfetzen..... :shock: :shock:

.....seht auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Thail%C3%A4ndische_Literatur..... :) :)

.....vielleicht spricht und versteht er selber doch nicht so gut wie er glaubt, so das sein thailändisches Umfeld aus Rücksicht ihm gegenüber sich der sog. Babysprache bedient...... :lol: :lol:

.....war eine Zeit lang bei mir auch so, manchmal auch noch heute..... :oops: :oops:

.....zum Schluß sei noch bemerkt: erst mit dem erlernen und verstehen der Schrift - welche der unbk. Autor nach eigenen Angaben nicht beherrscht - kann man eine Sprache mit all ihren Facetten kennen und verstehen lernen..... :!: :!:

.....ach ja, wenn es denn mit der thailändischen Sprache so einfach wäre, müsste ja eigentlich alle Wochen eine neue Clickthai-CD herauskommen.... :mrgreen: :mrgreen:
Man gewöhnt sich an alles - auch an mich. Gruß ChangLek !!!
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Re: Kritisches zur Thai-Sprache

Beitragvon Rolf K. » 10.08.2007, 14:34

Oh je oh je, was hat der fuer eine schlechte Meinung ueber, nicht nur die Sprache, sondern auch ueber die Thais. Ich persoenlich finde einige seinen Aussagen schon fast beleidigend der Thai gegenueber.

Andere Laender = andere Sprache. Egal welche Sprache das auch ist, es gibt immer Unterschiede. Die kann man einfach nicht miteinander vergleichen. Ich kann mich auf jeden Fall nicht seiner Meinung anschliessen. Er hatte u.a. geschieben, das er diese Sprache gelernt hat. Wenn dem so waehre, wuerde er nicht so schreiben. Auf einzelne Punkt moechte ich jetzt nicht direkt eingehen. Da sitze ich uebermorgen noch hier :roll:
Was mir sofort aufgefallen ist, er uebersetzt immer Wort-fuer-Wort und kritisiert das. Ob er daher wirklich Ahnung von der Thaisprache hat, kann ich zwar nicht beurteilen, aber ich weiss net...

Er hat geschrieben:Ich persönlich bin froh, dass ich die deutsche Sprache erlernt habe und ich schätze ihren Gebrauch.

Und dabei sollte er auch bleiben, oder sich mal richtig mit der thailaendischen Sprache befassen.

STOPP. Ich ertappe mich dabei, das ich ueber jemanden schreibe, den ich nicht kenne. Es steht mir auch nicht zu, ihn daher zu kritisieren und entschuldige mich, falls er das hier auch liest. Das musste ich aber los werden.


Er hat geschrieben:dass wir ein großartiges und erstklassiges Ausdrucksmittel an der Hand haben, ....

Das sagen die Thais auch ueber ihre Sprache, ebenso wie die Araber Chinesen Amis und und und. :roll:

Einen Satz moecht ich jetzt noch herausgreifen:
Er hat geschrieben:Steigen die Temperaturen über 30 Grad, dann würden wir vielleicht sagen: “Es ist aber heiß heute“, auf thai genügt ein einfaches “roan“.

Ach ein Thai koennte sagen:
"wan nii go ron"
"wan niii aagaat ron" und noch einige Umschreibungen mehr. Na klar, genuegt ein einfaches ron, ist ja auch nach der Thaisprache richtig. Warum eine Sache mehr umschreiben, wenn es nicht noetig ist.
Die deutsche Sprache ist in dieser Beziehung viel zu umstaendlich
Gruss.....Rolf

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Beitragvon Rolf K. » 10.08.2007, 16:10

Nur nochmal ein Beispiel:
Er hat geschrieben:Witzig finde ich viele thailändischen Wortzusammenfügungen: “naam kaeng“ = Wasser hart


Das "Wasser hart" umschreibt den Zustand besser als das deutsche Wort "Eis". Obwohl ich kein Thai kann, habe ich schon oft gemerkt, das man vieles in der thailaendische Sprache besser beschreiben kann, als in der unseren.
Gruss.....Rolf

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Re: Kritisches zur Thai-Sprache

Beitragvon klingon » 26.09.2007, 19:24

Rolf K. hat geschrieben:Oh je oh je, was hat der fuer eine schlechte Meinung ueber, nicht nur die Sprache, sondern auch ueber die Thais. Ich persoenlich finde einige seinen Aussagen schon fast beleidigend der Thai gegenueber.


Das sehe ich überhaupt nicht so. Ich lebe selbst in Thailand, und kann seine Ausführungen inhaltlich in großen Teilen recht gut nachvollziehen. Seinen Schreibstil würde ich als kultiviert und amüsant bezeichnen, Beschimpfungen oder Verhetzungen - in Fäkalsprache - werden gänzlich vermieden, in sofern kann von Beleidigungen wohl kaum die Rede sein.
Es ist eben nur so, dass viele der hier lebenden Ausländer im Laufe der Jahre auch die Schattenseiten von Thailand kennen gelernt haben. Die zu ignorieren oder schön zu reden, halte ich persönlich für falsch - aber das wiederum ist ein Thema das nicht hierher passt.

Nun zum eigentlichen Thema:
Man kann und sollte die Thai-Sprache an sich nicht verteufeln. Ich bin zwar nicht der Überzeugung, dass sie auf einer konsequent durchdachten Logik basiert (...siehe z.B. die Zusammensetzung der Gruppen von Klassifikationswörtern), bin aber auch nicht der Meinung des Autors, dass sie nur eine rudimentäre Kommunikation ermöglicht. Wer die thailändische Sprache beherrschen will, und die Möglichkeit hat, während einer guten Ausbildung möglichst viel davon zu verinnerlichen, der wird über ein solides Werkzeug verfügen, dass sich vielleicht lediglich in der vereinfachten Grammatik von anderen Sprachen unterscheidet.

Doch damit kommen wir auch schon zum Kernproblem: Wieviel Prozent der Bevölkerung in Thailand wissen denn den Wert von Bildung zu schätzen, und können sich des weiteren auch noch diesen Luxus leisten?

Bildung ist in Thailand nur dann von Interesse, wenn sie gewinnbringend eingesetzt werden kann. Dass Geschäftsabschlüsse auf hoher Ebene gute Umgangsformen (und damit verbunden ein perfektes Beherrschen der Sprache) erfordern, ist der thailändischen Oberschicht wohl bekannt. Doch ganz anders sieht es mit der schweigenden Mehrheit der weniger gut betuchten Bevölkerung aus. Bildung hat beim täglichen Kampf ums Überleben keinen Stellenwert. Und so fristet die Sprache hier ein klägliches Dasein, welches sich wirklich und wahrhaftig meistens nur auf das Zurufen von Stichworten beschränkt. Die Familie meiner Frau macht da eben so wenig eine Ausnahme, wie die Nachbarn in unserem Village, die Verkäufer auf Märkten, usw. Hingeworfene Wortfetzen wie "ginkaao", "aapnaam", "nguang noon", "sapom", "sabaai", "nüai", "sakpaa", etc.. etc... bestimmen einen Großteil des Sprachalltages in Thailand.

Nun kann man den Einsatz dieser Floskeln natürlich als Vereinfachung bezeichnen. Genauso gut kann man ihn aber auch mit Faulheit in Verbindung bringen.

Vor allem aber, lässt es sich wohl kaum abstreiten, dass die - ursprünglich - vielfältigen Möglichkeiten der Sprache bei einer derartigen Anwendung langfristig verkümmern werden.
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Beitragvon thpitsch » 27.09.2007, 09:19

Der ursprüngliche - mir immer noch unbekannte Autor - kann nach eigener Angabe nicht lesen. Der Zugang zur thailändischen Literatur ist ihm alleine schon deshalb versagt. Seine Beobachtungen beziehen sich daher auf die gesprochene Sprache, wie sie ihm in seinem Umfeld begegnet. Über sein Umfeld allerdings wissen wir nichts, können allenfalls spekulieren.

Tatsache aber ist, dass es in Thailand wie in anderen Ländern auch verschiedene Sprachklassen gibt: die Umgangssprache, die Buchsprache und die Sprache der Poesie, darüberhinaus noch die Sprache des königlichen Hofes.

Vermutlich kennt der ursprüngliche Autor nur die Umgangssprache. Bücher und Poesie bleiben ihm ja verschlossen, da er des Lesens nicht kundig ist. Ebenfalls vermutlich verkehrt er eher wenig am Hofe.

Wäre er nicht der Erste, der protestiert, würde man die deutsche Sprache anhand der "in gewissen Sozialbrachen in Deutschland" gesprochenen Sprache beurteilen?

Die thailändische Sprache als Ganzes hat er jedoch kritisiert. Ist er dazu kompetent?

klingon hat geschrieben:Wer die thailändische Sprache beherrschen will, und die Möglichkeit hat, während einer guten Ausbildung möglichst viel davon zu verinnerlichen, der wird über ein solides Werkzeug verfügen, dass sich vielleicht lediglich in der vereinfachten Grammatik von anderen Sprachen unterscheidet.


Dieser Meinung schließe ich mich an.

klingon hat geschrieben:Nun kann man den Einsatz dieser Floskeln natürlich als Vereinfachung bezeichnen. Genauso gut kann man ihn aber auch mit Faulheit in Verbindung bringen.

Vor allem aber, lässt es sich wohl kaum abstreiten, dass die - ursprünglich - vielfältigen Möglichkeiten der Sprache bei einer derartigen Anwendung langfristig verkümmern werden.


Gilt das Gleiche nicht für die deutsche Sprache, wenn man von ihr nur die im "Prekariat" gesprochene Variante betrachtet?

Gruß
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Beitragvon thpitsch » 27.09.2007, 13:02

Nachtrag: Jetzt habe ich den Beitrag dort gefunden, wo er erstmals veröffentlicht worden ist: http://www.tip-forum.de/topic.asp?TOPIC_ID=7879

Dort auf der ersten Seite findet sich auch ein Beitrag mit einem langen Zitat von Mark Twain über die deutsche Sprache! Alleine der ist es wert, sich die dortige Diskussion einmal zu Gemüte zu führen.

Gruß
Theo
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Re: Kritisches zur Thai-Sprache

Beitragvon Rolf K. » 27.09.2007, 19:28

klingon hat geschrieben:Das sehe ich überhaupt nicht so.

Das hat ueberhaupt nichts mit Beschimpfungen und vulgaeren Woerter zu tun. Die Sprache ist Bestandteil der Thailaendische Kultur. Wenn man sich negativ darueber aeusert, kann das durchaus beleidigend fuer viele (natuerlich nicht alle) Thailaender sein.

Auch wenn sich vieles in der thailaendischen Sprache fuer einen Auslaender sonderbar anhoert, ist es doch nach der thailandische Sprache richtig.
Falsch ist es, die thailendische Grammatik, bzw. Sprache mit der deutschen Grammatik, bzw. Sprache zu vergleichen und dann zu sagen das Thai eine "Idioten"Sprache ist. Thai = Thai. Deutsch = Deutsch.
Ich koennte ja auch zu meinem Sohn sagen: "Das Essen ist fertig. Komm bitte nach unten". Nein, ich sage aber nur: "komm essen". Ohne viel Unnoetiges trum herum. Demnach muesste dann Deutsch auch eine "faule Sprache" sein. :roll:
Gruss.....Rolf

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Re: Kritisches zur Thai-Sprache

Beitragvon klingon » 28.09.2007, 07:19

Rolf K. hat geschrieben:...Die Sprache ist Bestandteil der Thailaendische Kultur. Wenn man sich negativ darueber aeusert, kann das durchaus beleidigend fuer viele (natuerlich nicht alle) Thailaender sein.


Wer für Kritik unempfänglich ist, der wird das wohl so sehen. Da das bei den meisten Thais der Fall ist, hast Du in gewisser Weise recht.

Wenn Du zu Deinem Sohn "komm essen" sagst, dann ist das natürlich nicht verkehrt. Es entspricht zwar nicht unbedingt der feinen englischen Art (...ich würde da zumindestens noch das Zauberwort "bitte" einfügen), ist aber immer noch um Längen besser, als wenn Du ihm einfach nur "essen!" ("ginkaao!") an den Kopf schmeissen würdest.

Natürlich kann man jede Sprache auf eine "faule Sprache" reduzieren - wenn man das möchte. Das ist in der Regel einfacher, als sie korrekt anzuwenden. Jeder sollte für sich selbst entscheiden, wie er damit umgeht. Die Kurzform ist in vielen Fällen sicherlich von Vorteil - besonders dann, wenn etwas sehr schnell gehen soll oder muss.
Ich halte es allerdings für verkehrt, die Kurzform als Standardanwendung zu wählen, da sie langfristig unweigerlich zu Sprachverkrüppelung und Legasthenie führt.

Mit anderen Worten: Aufgrund der kontinuierlichen Mega-Kurzform Anwendungen (z.B. "ginkaao") bezweifele ich sehr, dass die meisten Thais noch andere Formulierungen - wie z.B. "Das Essen ist fertig. Komm bitte nach unten." - zu Stande bringen KÖNNTEN (...unabhängig davon, ob das für sie von Interesse wäre).

Und genau dieses Defizit führt zu dem, was viele Ausländer an der ANGEWENDETEN!!! Thai-Sprache kritisieren.
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Re: Kritisches zur Thai-Sprache

Beitragvon polerio » 29.09.2007, 09:20

klingon hat geschrieben:Und genau dieses Defizit führt zu dem, was viele Ausländer an der ANGEWENDETEN!!! Thai-Sprache kritisieren.


Quod licet Jovi non licet bovi.
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Re: Kritisches zur Thai-Sprache

Beitragvon polerio » 30.09.2007, 10:10

klingon hat geschrieben:Mit anderen Worten: Aufgrund der kontinuierlichen Mega-Kurzform Anwendungen (z.B. "ginkaao") bezweifele ich sehr, dass die meisten Thais noch andere Formulierungen - wie z.B. "Das Essen ist fertig. Komm bitte nach unten." - zu Stande bringen KÖNNTEN (...unabhängig davon, ob das für sie von Interesse wäre).


Einen Experten erkennt man daran, dass er genau begründen kann, warum seine Vorhersage nicht eintraf.


1. Unser Besuch aus dem "wilden Osten" (ein Bild, das in der hier zitierten Diskussion verwandt wurde, um den deutlichen Unterschied dieser Region mit dem mittleren Westen eines anderen Kontinents hervorzuheben) sagte gerade gestern genau diesen Satz "Das Essen ist fertig. Komm bitte nach unten." zu mir. Sie benutzte dazu die Worte kin khao kha. Sie kann noch kein Deutsch und einen komplizierteren Satz in Thailändisch hätte wiederum ich nicht verstanden.

2. Mir fällt zu dem Ganzen eine Geschichte ein, die meine Gefühle beim Lesen dieser Diskussion hier sehr schön wiedergibt.

Wir bereiteten in Bangkok unsere traditionelle Hochzeit im "wilden Osten" vor. Zu diesem Zweck suchten wir eine Expertin bzw. eine Wahrsagerin auf. Aus dem Gespräch am Ende (in meinem Klischee sind Thais eher nicht wortkarg) konnte ich mit meinem bruchstückhaften Thai so etwas verstehen wie "guter Farang", "gutausehender Farang" etc. Dabei lächelte sie mich mit unwiderstehlichem Thailändischem Lächeln an. Da ich gerade am Abend zuvor es in einem Reiseführer gelesen hatte, wollte ich einfach nur mal ausprobieren, ob ich die Bedeutng des Satzes richtig verstanden hatte und ihn auch anwenden konnte. So lächelte ich zurück und sagte:

Pak wan khon priau.

Der süße Mund der Wahrsagerin nahm plötzlich eine andere Position ein bzw. wurde sauer.

Klasse - ich konnte Thai sprechen und man verstand mich auch.

Unterm Strich: Meiner Frau zur Liebe hätte es vielleicht doch lieber nicht gesagt ... (und so verstehe ich die Anmerkung von Rolf; ich frage mich heute noch, ob eine Deutsche Wahrsagerin anders reagiert hätte - über Wahrsagerinnen, welcher Nation auch immer, denke ich allerdings das selbe)

3. Das ganze "Gedönse" mit dem "wilden Osten, den Isanis" oder wie auch immer...

Pala ... grauer Stinkefisch zum Somtam machen ... ist vermutlich etwas, was historisch der hot cuisine Laos entnommen ist. Auf Laotisch schreibt sich Fisch pa ohne lo ling, das ro ruea ist im Laotischen Phayanchana, in tua lao, ein lo rot. Pala ist insoweit eventuell kein Sprachfehler von "Isanis" sondern pla-ra ein Schreibfehler auf einer Thailändischen Speisekarte? So etwas wie Spaghetti ohne h.
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Beitragvon klingon » 02.10.2007, 09:03

Hallo polerio,

Du scheinst über eine gesunde Portion Humor zu verfügen - das gefällt mir.
Die Retourkutsche mit der lateinischen Redensart war nicht von schlechten Eltern. 8)

Aber natürlich ist der Spruch zu lang und kompliziert:
"Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen noch lange nicht erlaubt."

Vereinfachen wir ihn an dieser Stelle doch besser (...ohne viel Unnötiges drum herum):
"Jupiter dürfen Ochse dürfen nicht"

Uff, bei Deinem nächsten Zitat wird es schon komplizierter zu vereinfachen:
"Einen Experten erkennt man daran, dass er genau begründen kann, warum seine Vorhersage nicht eintraf."

Auf jeden Fall zu viel überflüssige Worte! Wie wäre es mit:
"Experte sein wenn sagen warum Zukunft sehen falsch"

Schon besser, nicht wahr? :twisted: :twisted:

Den Exkurs in Richtung "Wilder Osten" kann ich jetzt nicht so ganz einordnen. Ist mir da vielleicht etwas entgangen?
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Beitragvon polerio » 02.10.2007, 09:38

sorry, irgendwas beim Editieren schief gelaufen. Siehe weiter hinten

Gruß

Tomat//makhuea-thed
Zuletzt geändert von polerio am 02.10.2007, 14:47, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon polerio » 02.10.2007, 10:10

:D
Zuletzt geändert von polerio am 02.10.2007, 14:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon polerio » 02.10.2007, 10:36

:wink:
Zuletzt geändert von polerio am 02.10.2007, 14:45, insgesamt 1-mal geändert.
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